Beirat im Familienunternehmen: so richten Sie ihn ein, damit er wirkt

Der Seniorchef fällt nach einem Unfall für drei Monate aus. Im Gesellschaftsvertrag steht seit Jahren ein Beirat, der zweimal im Jahr tagt und seine Unterlagen am Vorabend per E-Mail bekommt. Ausgerechnet dieses Gremium soll jetzt die Geschäftsführung absichern und zwischen zwei Familienstämmen vermitteln.

Ein Beirat im Familienunternehmen ist schnell gegründet. Wirksam wird er erst durch ein klares Mandat, die richtigen Mitglieder und einen Informationsfluss, der auch dann trägt, wenn es ernst wird. Hier sind die sieben Schritte dorthin.

Was ist ein Beirat im Familienunternehmen?

Ein Beirat im Familienunternehmen ist ein freiwilliges Gremium, das Geschäftsführung und Gesellschafter berät und je nach Gesellschaftsvertrag auch überwacht oder Zustimmungsrechte ausübt. Anders als der Aufsichtsrat ist er gesetzlich nicht vorgeschrieben. Aufgaben, Rechte und Besetzung legen die Gesellschafter selbst fest.

Genau diese Freiheit ist Chance und Risiko zugleich. Der Governance Kodex für Familienunternehmen empfiehlt, „mit wachsender Unternehmensgröße und zunehmender Komplexität auf Inhaberseite“ auch ohne gesetzliche Pflicht ein freiwilliges Aufsichtsgremium einzurichten. Wie dieses Gremium aussieht, schreibt er nicht vor.

Beirat oder Aufsichtsrat: die Unterschiede im Überblick

Die Grenze verläuft entlang einer Frage: Schreibt das Gesetz das Gremium vor oder entscheiden die Gesellschafter selbst?

KriteriumFreiwilliger BeiratPflicht-Aufsichtsrat in der GmbH
RechtsgrundlageGesellschaftsvertrag und BeiratsordnungDrittelbeteiligungsgesetz (mehr als 500 Arbeitnehmer) oder Mitbestimmungsgesetz (mehr als 2.000 Arbeitnehmer)
BesetzungFrei durch die GesellschafterMit gesetzlichem Anteil an Arbeitnehmervertretern
KompetenzenFrei gestaltbar, von Beratung bis zu ZustimmungsvorbehaltenGesetzlich definierte Überwachung
FlexibilitätHochGering

Beirat im Familienunternehmen einrichten: 7 Schritte

Die Reihenfolge ist kein Zufall. Wer mit der Besetzung beginnt, bevor das Mandat feststeht, sucht Köpfe für eine Aufgabe, die noch niemand definiert hat.

Der Aufbau eines belastbaren Beirats

Von der Aufgabenklärung bis zur jährlichen Evaluation: Sieben Etappen schaffen klare Zuständigkeiten und verlässliche Arbeitsabläufe.

  1. 1

    Mandat festlegen

    Entscheiden, ob der Beirat berät, kontrolliert oder bestimmte Geschäfte mitentscheidet.

  2. 2

    Rechtsgrundlage schaffen

    Einrichtung, Kompetenzen, Bestellung und Abberufung im Gesellschaftsvertrag verankern.

  3. 3

    Kompetenzen definieren

    Zuerst das Kompetenzprofil festlegen, dann Mitglieder auswählen und unabhängige Stimmen sichern.

  4. 4

    Amtszeiten regeln

    Amtszeiten staffeln und Altersgrenzen festlegen, damit Erneuerung planbar bleibt.

  5. 5

    Vergütung und Haftung klären

    Vergütung, Sorgfaltsmaßstab und den Versicherungsschutz durch die D&O-Versicherung prüfen.

  6. 6

    Informationsfluss organisieren

    Berichte, Ad-hoc-Informationen, Fristen und die Dokumentation von Beschlüssen verbindlich regeln.

  7. 7

    Arbeit evaluieren

    Die Beiratsarbeit regelmäßig überprüfen und fehlende Kompetenzen oder Verbesserungen identifizieren.

Ihr Beirat arbeitet noch mit E-Mail-Anhängen und PDF-Protokollen?

Mit dem DiliTrust Board Portal erhalten Beiratsmitglieder ihre Unterlagen in einem geschützten Raum, stimmen auch zwischen den Sitzungen ab, und jeder Beschluss bleibt nachvollziehbar.

Die Beiratsordnung: diese Punkte gehören hinein

Die Beiratsordnung ist das Betriebshandbuch Ihres Beirats. Diese Punkte sollte sie mindestens regeln:

  • Evaluation: Turnus und Verfahren
  • Aufgaben und Kompetenzen: Beratung, Überwachung, Katalog zustimmungspflichtiger Geschäfte
  • Zusammensetzung: Anzahl der Mitglieder, Anteil unabhängiger Mitglieder, Vorsitz
  • Amtszeit: Dauer, Staffelung, Altersgrenze, Wiederwahl
  • Sitzungen: Rhythmus, Einberufung, Fristen, Beschlussfähigkeit
  • Beschlussfassung: Mehrheiten, Beschlüsse außerhalb von Sitzungen, Stimmrechtsvertretung
  • Information: Berichtspflichten der Geschäftsführung, Fristen für Unterlagen
  • Protokoll: Inhalt, Freigabe, Aufbewahrung
  • Vertraulichkeit und Interessenkonflikte: Verschwiegenheit, Offenlegung, Stimmverbote
  • Vergütung: Festbetrag, Sitzungsgeld, Auslagenersatz

Beiratsarbeit organisieren, ohne Unterlagen zu suchen

Wer den Beirat betreut, ob Board Manager, Rechtsabteilung oder Assistenz der Geschäftsführung, kennt das Muster. Vor jeder Sitzung werden Unterlagen zusammengesucht, Versionen abgeglichen und Zugriffe per E-Mail verteilt. Nach der Sitzung beginnt die Arbeit am Protokoll.

Die eigentliche Frage ist eine Haftungsfrage: Können Sie jederzeit belegen, welche Informationen der Beirat hatte, als er entschieden hat? Ein Board Portal gibt Ihnen darauf eine Antwort.

Mit dem DiliTrust Board Portal organisieren Familienunternehmen ihren Beirat neben Gesellschafterversammlung und weiteren Gremien in jeweils eigenen Räumen:

  • Sitzungen vorbereiten: Agenda erstellen, Dokumente den Agendapunkten zuordnen, Versionen nachvollziehen. Beiratsmitglieder lesen und annotieren die Unterlagen auch offline auf dem Tablet.
  • Zugriffe gezielt steuern: Für jedes Dokument und jede Abstimmung legen Sie fest, wer es sehen, herunterladen oder drucken darf. Das hilft zum Beispiel, wenn ein Mitglied bei einem Tagesordnungspunkt befangen ist.
  • Externe gezielt einbinden: Gäste wie Wirtschaftsprüfer oder Berater erhalten als Occasional Attendees nur Zugriff auf die Sitzungen und Unterlagen, die Sie freigeben, ohne Einblick in die Historie des Beirats.
  • Zwischen den Sitzungen abstimmen: Abstimmungen lassen sich auch außerhalb einer Sitzung anlegen und zentral nachverfolgen. Eine Akquisition muss nicht auf die nächste Quartalssitzung warten.
  • Protokolle schneller fertigstellen: Lini, der KI-Assistent im Board Portal, erstellt aus dem Transkript einen Protokollentwurf, der Beschlüsse in den Vordergrund stellt und Aufgaben mit Verantwortlichen erfasst. Die Freigabe bleibt beim Menschen.
  • Frühere Entscheidungen wiederfinden: Mit Lini durchsuchen Sie Sitzungen und Protokolle, statt Ordner und Postfächer zu durchforsten.
  • Nachweisen, was passiert ist: Ein Audit Trail protokolliert alle Aktionen von Nutzern und Administratoren. Die Plattform ist nach ISO 27001 zertifiziert, die Zwei-Faktor-Authentifizierung lässt sich aktivieren.

Eine familiengeführte Unternehmensgruppe aus der Golfregion mit über 60 Gesellschaften hat genau diesen Schritt gemacht: weg von Boardunterlagen per E-Mail, hin zu strukturierten digitalen Abläufen für Board und Ausschüsse. Das Fazit aus dem Unternehmen: „Es spart Zeit, reduziert Fehler und schafft die notwendige Transparenz, insbesondere, wenn man so viele Gesellschaften steuert.“

Sehen Sie, wie Ihr Beirat mit dem DiliTrust Board Portal von der Agenda bis zum freigegebenen Protokoll arbeitet

Häufige Fragen zum Beirat im Familienunternehmen

Ist ein Beirat im Familienunternehmen Pflicht?

Nein. Ein Beirat ist freiwillig und wird über den Gesellschaftsvertrag eingerichtet. Pflicht ist dagegen ein Aufsichtsrat, wenn eine GmbH mehr als 500 Arbeitnehmer (Drittelbeteiligungsgesetz) oder mehr als 2.000 Arbeitnehmer (Mitbestimmungsgesetz) beschäftigt.

Was verdient ein Beiratsmitglied im Familienunternehmen?

Laut der Beiratsstudie von PwC und INTES (2024) zahlt ein Drittel der Familienunternehmen weniger als 10.000 Euro pro Jahr. Die meisten vergüten eine einfache Beiratstätigkeit mit 10.000 bis 20.000 Euro. Vorsitz und Mandate mit Kontrollrechten werden in der Regel höher vergütet.

Haftet ein Beirat im Familienunternehmen?

Das hängt von der Ausgestaltung ab. Ein rein beratender Beirat trägt ein geringeres Risiko als ein Beirat mit Überwachungs- oder Zustimmungsrechten. Bei der GmbH können über § 52 GmbHG aktienrechtliche Haftungsregeln greifen, sofern der Gesellschaftsvertrag nichts anderes bestimmt. Eine D&O-Versicherung und eine klare Regelung im Gesellschaftsvertrag schaffen Sicherheit.

Wie viele Mitglieder sollte ein Beirat haben?

Eine feste Vorgabe gibt es nicht. In der Praxis sind drei bis fünf Mitglieder verbreitet. Eine ungerade Zahl verhindert Pattsituationen, und mindestens ein unabhängiges Mitglied sichert die Außenperspektive.

Belma
Autor:in

Belma Sujkovic

Belma Sujkovic arbeitet im Marketing bei DiliTrust mit Fokus auf digitalem Content, SEO und neuen Technologietrends. Sie schreibt an der Schnittstelle von Legal Tech und Content-Strategie und beschäftigt sich damit, wie Rechtsabteilungen und Unternehmen den Wandel hin zu KI-gestützten Arbeitsweisen gestalten können.