Von Rupali Patel Shah, Head of Legal Solutions, DiliTrust
Die Unternehmen brauchen eigentlich nicht mehr Daten. Sie brauchen nicht einmal mehr Informationen. Was sie wirklich brauchen, ist Intelligenz –2 eine Intelligenz, die ihnen hilft zu sehen, was passiert, zu verstehen, warum es passiert, und automatisch bessere Entscheidungen zu treffen.
Aber man kann keine Intelligenz erlangen, wenn man nicht zuerst weiß, welche Informationen man hat, was wichtig ist und wie man sie nutzen kann. Dies erfordert die Identifizierung, Aufwertung und Verwaltung Ihrer wahren Informationswerte. Und im Zeitalter der künstlichen Intelligenz, in dem automatisierte Entscheidungen vollständig von den Eingaben abhängen, mit denen Sie sie füttern, war dies noch nie so wichtig wie heute.
Wir sind in eine Ära eingetreten, in der Automatisierung das Ziel ist. Aber Automatisierung funktioniert nur, wenn die Daten, die ihr zugrunde liegen, gut sind. Die KI-Disruption von 2025 hat bestätigt, dass „Garbage in“ immer noch „Garbage out“ bedeutet. Unternehmen haben sich so sehr auf die Generierung von mehr Informationen konzentriert, dass sie das eigentliche Ziel aus den Augen verloren haben: Automatisierte Intelligenz-Systeme und Prozesse, die lernen, Vorhersagen treffen und das Unternehmen ohne ständiges menschliches Eingreifen leiten können.
Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen Sie vertrauenswürdige, gut verwaltete Informationen. Und das bedeutet, dass Sie Information Governance brauchen.
Warum Information Governance (IG) so wichtig und gleichzeitig so schwierig ist
Information Governance ist eine der am meisten missverstandenen und gemiedenen Funktionen in Unternehmen. Es ist nicht so, dass Unternehmen sie nicht für wichtig halten – sie tun es. Das Problem ist, dass sie kompliziert und umfangreich ist und fast jeden Teil des Unternehmens berührt: Recht, Compliance, Cybersicherheit, IT, Datenschutz, Personalwesen, Betrieb und mehr.
Aus diesem Grund wird Information Governance zu einer „heißen Kartoffel“. Alle sind sich einig, dass sie notwendig ist, aber niemand will sie in die Hand nehmen. Sie erfordert eine funktionsübergreifende Zusammenarbeit. Sie erfordert Rechenschaftspflicht. Es braucht jemanden, der umfassend über Risiken und Prozesse nachdenkt und realistisch einschätzen kann, wie das Unternehmen tatsächlich funktioniert.
Dieser „Jemand“ sollte der General Counsel sein.
Warum der GC für Information Governance verantwortlich sein sollte
Der moderne General Counsel ist nicht nur ein Rechtsberater, sondern auch ein Unternehmensstratege, ein Risikobeauftragter und oft die einzige Führungskraft, die einen Überblick über das gesamte Unternehmen hat. Sie kennen die Verpflichtungen, Risiken und die interne Dynamik des Unternehmens. Sie sind darin geschult, um die Ecke zu sehen und das Unternehmen zu schützen, bevor Probleme zu Krisen werden.
Diese Perspektive ist genau das, was eine wirksame Information Governance erfordert.
Das habe ich schon früh in meiner Karriere gelernt. In meiner ersten Position im Unternehmen hatte ich einen unglaublichen Mentor, Herrn Barkan, der bis weit in seine Achtziger hinein als Anwalt tätig war. Er sagte mir immer: „Die Aufgabe eines Anwalts ist es, das Unternehmen zu schützen. Beraten Sie, entscheiden Sie nicht, aber schauen Sie immer um die Ecke.“ Diese Denkweise – Weitsicht, Verantwortlichkeit und Klarheit der Ziele – ist die Grundlage für eine gute Unternehmensführung.
Die geschäftsorientierten Anwälte, die sich dieser Verantwortung stellen, sind diejenigen, die das Unternehmen wirklich schützen. Sie verstehen, dass Risiko, Betrieb, Ethik und Strategie miteinander verknüpft sind. Sie arbeiten als Partner, nicht als Türsteher. Und in einer Welt, die in Daten ertrinkt und in der KI jedes Risiko und jede Chance beschleunigt, ist diese integrierte Sichtweise unerlässlich.
Information Governance ist nicht länger ein „Nice to have“. Sie steht heute im Mittelpunkt der betrieblichen Ausfallsicherheit, der Reputation und der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. Und all diese Bereiche lassen sich direkt auf den Kernauftrag des GC zurückführen: den Schutz des Unternehmens.
Warum 2026 das Jahr der Information Governance sein wird
Jedes Unternehmen ist heute ein Informationsunternehmen. Daten sind ihr größtes Kapital, ihre größte Schwachstelle und – wenn sie richtig verwaltet werden – ihr größter Vorteil. Aber Intelligenz entsteht nicht auf magische Weise aus dem Chaos. Sie erfordert Disziplin, Struktur, Klarheit und Eigenverantwortung.
Deshalb glaube ich, dass das Jahr 2026 das Jahr der Information Governance sein wird.
Und deshalb glaube ich, dass GCs in einer einzigartigen Position sind, um es anzuführen. Führen bedeutet nicht, dass man jeden Aspekt selbst in die Hand nimmt – bei Governance/Compliance geht es vor allem um den Aufbau einer Kultur, Einflussnahme, Vorbildfunktion und Zusammenarbeit.
Das Fazit ist einfach:
Unternehmen leben nicht von Daten. Sie basieren auf Intelligenz. Und Intelligenz hängt von einer guten Informationsverwaltung ab.
Mit Blick auf das Jahr 2026 möchte ich mich eingehend mit dem Thema Information Governance befassen, was es in der Praxis bedeutet, warum es heute wichtiger denn je ist und welche Möglichkeiten General Counsel haben, um eine gute Governance in ihrem Unternehmen zu leiten, zu beeinflussen und vorzuleben. Dies wird ein fortlaufendes Gespräch sein, und ich freue mich auf Ihre Perspektiven, Erfahrungen und Fragen, während wir untersuchen, wie eine durchdachte Information Governance das Unternehmen schützen und gleichzeitig einen echten Geschäftswert freisetzen kann.


