Der Aufstieg des Legal ERP: Eine neue Architektur für Rechtsabteilungen

In einem kürzlichen Gespräch mit LegalTech Hub beschrieb Nadim Baklouti, Co-CEO von DiliTrust, einen strukturellen Wandel innerhalb der Rechtsabteilungen von Unternehmen.

Bei der Veränderung geht es nicht darum, weitere Tools hinzuzufügen. Es geht darum, das Fundament, auf dem sie stehen, zu überdenken.

Die frühe Einführung von Rechtstechnologie folgte einem bekannten Weg: eine Lösung nach der anderen.

Dieser Ansatz mag anfangs funktionieren, vor allem bei kleinen Unternehmen, kann aber schnell an seine Grenzen stoßen, wenn das Wachstum zunimmt und damit auch die Fragmentierung wächst.

Nach Ansicht von Baklouti ist das eigentliche Problem nicht die Funktionalität. Es ist die Struktur.

Ein Legal ERP (Enterprise Resource Planning System for Legal) ist ein einheitliches Betriebssystem, das alle juristischen Kernfunktionen in einer strukturierten Umgebung verbindet.

Anstatt separate Tools übereinander zu schichten, integriert ein Legal ERP Governance, Entity Management, Verträge, Matter und Dokumentation in ein einziges System.

Der Unterschied besteht darin, wie die Module zusammenwirken.

Warum fragmentierte Tool-Landschaften überholt sind

Rechtsabteilungen lassen sich in der Regel in zwei Kategorien einteilen:

  1. Rechtsabteilungen, die ohne eigene Systeme arbeiten
  2. Rechtsabteilungen, die mit mehreren voneinander unabhängigen Plattformen jonglieren

In beiden Fällen fehlt eine durchgängige und konsolidierte Sicht auf die rechtlichen Prozesse. Baklouti beschreibt das wie folgt:

Lange Zeit hinkte die Rechtsabteilung technologischen Innovationen hinterher. Es war und ist noch immer üblich, dass Juristen mit Tools arbeiten, die ursprünglich für das Finanzwesen oder den Einkauf entwickelt wurden.

Das Umfeld verändert sich.

Heutzutage wird die Rechtsabteilung mehr und mehr wie jeder andere Unternehmensbereich behandelt. Die Führungsebene erwartet greifbare, messbare Ergebnisse, und damit die Rechtsabteilung nicht mehr nur eine Kostenstelle ist, ist dies von entscheidender Bedeutung.

Bei fragmentierten Systemen befinden sich die Informationen an verschiedenen Orten, und wichtige Aufgaben der Rechtsabteilung wie Berichterstattung, Risikobewertung und Überblick über die Einhaltung von Vorschriften werden erschwert.

Baklouti fasst den Wandel klar zusammen:

Rechtliche Lösungen müssen [heute] für die Rechtsabteilung konzipiert und von ihr entwickelt werden.

Von fragmentierten Lösungen zu einem Betriebssystem

Andere Unternehmensfunktionen sind bereits zu integrierten Systemen übergegangen. Der Vertrieb arbeitet über CRM-Plattformen. Das Finanzwesen läuft über ERP-Systeme. Die Personalabteilung stützt sich auf einheitliche HR-Systeme. Diese Geschäftsbereiche arbeiten mit vereinheitlichten Kernsystemen, die vielleicht noch weiter integriert werden, aber der Kern ist intakt.

Baklouti äußerte seine Meinung zu dieser Entwicklung:

Ich glaube, dass die Geschichte von DiliTrust gut dazu passt, wie sich die Rechtsbranche entwickelt hat. Der Übergang von einem einzigen Tool zu einer Art Legal ERP.

Die Rechtsabteilung verfolgt nun einen ähnlichen Weg. In der Diskussion beschrieb Baklouti den Ansatz von DiliTrust als ein Legal ERP, ein einheitliches Betriebssystem, das darauf ausgerichtet ist:

  • Governance
  • Entity Management
  • Verträge
  • Dokumente
  • Vorgänge (Matter)

Alles in einer einzigen Umgebung.

Der Unterschied liegt nicht in der Anzahl der Module, sondern darin, wie sie zusammenwirken.

Interoperabilität in der Praxis

DiliTrust ist das integrierte System, das unsere Vision für die Rechtsbranche im Jahr 2026 konsequent umsetzt. In diesem Zusammenhang ist ein Vertrag mit der entsprechenden Entity verknüpft, die wiederum mit verwandten Vorgängen in Verbindung steht. Die Vorgänge (Matter) können dann bis zu den Entscheidungen des Boards und den Governance-Schwellenwerten zurückverfolgt werden.

„Das Ziel ist nicht nur Effizienz“, bemerkt Baklouti. „Es geht darum, dem General Counsel ein konsolidiertes Cockpit zur Verfügung zu stellen, in dem er Risiken im Kontext und in Echtzeit verstehen kann.“

Anstatt in verschiedenen Tools zu navigieren, arbeiten Rechtsabteilungen in einem einzigen strukturierten Arbeitsbereich. Alles, von der Sichtbarkeit über die Kommunikation bis hin zur Berichterstattung, wird verbessert. An die Stelle einer nur situativen Aufsicht in besonders stressigen Momenten – etwa bei Audits – tritt eine kontinuierliche und kontrollierte Steuerung.

Viele Unternehmen führen dieses Modell schrittweise ein, beginnen mit einem einzigen Anwendungsfall und erweitern es mit zunehmender Datenreife. Mit der Ausweitung der KI auf die Rechtstechnologie ist diese Vernetzung zudem wichtiger denn je.

Im Zeitalter der KI ist Struktur alles

Künstliche Intelligenz war ebenfalls Teil des Gesprächs, aber durch dieselbe strukturelle Brille betrachtet.

„Wir glauben, dass man die beste KI-Technologie haben kann, aber ohne die richtigen Daten und Systeme darunter ist sie nutzlos“, bemerkt Baklouti.

Die KI von DiliTrust funktioniert nicht als eigenständiges Prompting-Tool, sondern als Teil der gesamten Plattform. Mit Zugang zu Verträgen, Entities, Vorgängen, Governance-Daten und historischer Dokumentation, die im System gespeichert sind, kann sie kontextabhängige Vorschläge generieren.

„KI ohne Kontext ist begrenzt“, sagt Baklouti. „Wenn Intelligenz innerhalb eines strukturierten rechtlichen Umfelds arbeitet, kann sie Erkenntnisse liefern, die isolierte Tools nicht liefern können.

Von risikobasierten, an Delegationsschwellen ausgerichteten Vertragsredlinings bis hin zu Zusammenfassungen mit Querverweisen wird KI so zu einer Erweiterung des Rechtssystems.

Bei der Entwicklung zu einem „Legal ERP“ geht es also nicht nur um Konsolidierung. Es geht darum, die strukturelle Grundlage zu schaffen, die für eine strategische Sichtbarkeit und eine verantwortungsvolle Einführung von KI erforderlich ist.

Mehr als eine Produktstrategie

Neben der Technologie spiegelt dieser ERP-Vergleich auch die langfristige Philosophie von DiliTrust wider. Das Unternehmen betrachtet seine Kundenbeziehungen als Partnerschaften, die in Jahren und nicht in Verkaufszyklen gemessen werden. Viele Organisationen haben mit früheren Versionen der Software gearbeitet und ihre Nutzung schrittweise ausgeweitet, als ihre juristischen Abläufe ausgereift waren.

Das Legal ERP-Modell spiegelt diese langfristige Philosophie wider: Aufbau einer Infrastruktur, die es der Rechtsabteilung ermöglicht, eine führende Rolle zu spielen.

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