Enterprise Risk Management: Warum ERM 2025 zur Kernaufgabe von Legal wird 

Enterprise Risk Management (ERM) hat sich vom klassischen Risikoinventar zu einem strategischen Steuerungsinstrument entwickelt. Risiken werden heute nicht mehr isoliert erfasst, sondern im Zusammenhang mit Geschäftsmodell, Reputation, Kapitalmarkt und Organhaftung bewertet. ERM ist damit ein zentraler Bestandteil moderner Corporate Governance. Und genau hier beginnt unternehmerische Resilienz.

Laut einer weltweiten Umfrage unter Risikomanagern zählen Cyberangriffe, IT-Ausfälle und Datenverluste mit deutlichem Abstand zu den größten Risiken für Unternehmen. Steigende regulatorische Anforderungen, ESG-Vorgaben, KI-Regulierung und geopolitische Unsicherheiten erhöhen den juristischen Handlungsdruck. ERM wird zur Schnittstelle zwischen Strategie und Recht, während Rechtsabteilungen sich vom reaktiven Berater zum strategischen Risikoarchitekten entwickeln. 

Was ist Enterprise Risk Management? 

Enterprise Risk Management (ERM) bezeichnet einen ganzheitlichen Ansatz zur Identifikation, Bewertung, Steuerung und Überwachung sämtlicher unternehmensrelevanter Risiken strategischer, operativer, finanzieller und regulatorischer Natur. 

Im Unterschied zum isolierten Risikomanagement einzelner Funktionen verfolgt ERM einen unternehmensweiten Ansatz. International anerkannt ist etwa das Framework des Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission (COSO), das ERM als integralen Bestandteil der Unternehmenssteuerung definiert. 

Juristische Dimension: 

Für Legal bedeutet ERM die systematische Erfassung und Steuerung von: 

  • Haftungsrisiken von Vorstand und Geschäftsführung 
  • Compliance-Verstößen 
  • regulatorischen Sanktionen 
  • Dokumentations- und Nachweispflichten 
  • internationalen Rechtsrisiken 
  • Compliance-Verstößen 

ERM ist somit ein zentraler Bestandteil der Organpflichten. 

Der ERM-Prozess 

Enterprise Risk Management hat sich vom klassischen Risikoinventar zu einem strategischen Steuerungsinstrument entwickelt.  Rechtsabteilungen und General Counsel rücken in den Mittelpunkt, weil viele zentrale Unternehmensrisiken regulatorischer und haftungsrechtlicher Natur sind. Boards erwarten transparente, belastbare Risikoanalysen, um ihren Überwachungs- und Sorgfaltspflichten gerecht zu werden. 

Zu den wesentlichen Treibern zählen: 

  • Steigende regulatorische Anforderungen, die Bußgeld-, Sanktions- und Haftungsrisiken deutlich erhöhen. 
  • ESG– und Nachhaltigkeitsvorgaben, die rechtssichere Prozesse und prüfungssichere Berichterstattung erfordern, um Greenwashing- und Kapitalmarktrisiken zu vermeiden. 
  • Neue KI-Regulierung, die Transparenz-, Kontroll- und umfassende Dokumentationspflichten mit sich bringt. 
  • Geopolitische Unsicherheiten, die Sanktionen, Lieferketten, Exportkontrollen und Vertragsgestaltung unmittelbar beeinflussen. 

Rahmenwerke (Frameworks) und Komponenten 

Zahlreiche international anerkannte Rahmenwerke strukturieren das Enterprise Risk Management und definieren verbindliche Leitlinien für Governance, Kontrolle und Reporting. Die wichtigsten ERM-Frameworks und ihre zentralen Komponenten im Überblick: 

Framework Herausgeber Schwerpunkt Relevanz für Legal 
Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission (COSO ERM) US-amerikanische Expertenkommission Integration von Risiko in Strategie, Performance und interne Kontrolle Starke Governance- und Kontrollorientierung; wichtig für Organhaftung und Board-Reporting 
International Organization for Standardization (ISO 31000) Internationale Normungsorganisation Prinzipienbasierter, globaler Risikomanagement-Standard Internationale Anschlussfähigkeit; relevant für globale Compliance-Strukturen 
Institute of Internal Auditors (IIA) Berufsverband der Internen Revision Assurance, Kontrollsysteme und Risikoprüfung Fokus auf interne Kontrollsysteme (IKS) und Überwachungsprozesse 

Zentrale Komponenten dieser Frameworks: 

  • Governance-Strukturen
  • Interne Kontrollsysteme (IKS) 
  • Risikokultur und Tone from the Top 
  • Klare Berichtswege an Vorstand und Aufsichtsorgan 
  • Eindeutige Verantwortlichkeiten und Eskalationsmechanismen  

Für Rechtsabteilungen sind insbesondere Governance- und Kontrollkomponenten entscheidend, da sie unmittelbar mit Haftungsfragen, Dokumentationspflichten und der Absicherung von Organentscheidungen verbunden sind. 

Die Rolle von Legal verschiebt sich von reaktiver Beratung hin zur strategischen Risikosteuerung. 

Steigende regulatorische Anforderungen 

EURegulierungen, Lieferkettengesetze, Datenschutz und Finanzmarktaufsicht erhöhen Bußgeld und Haftungsrisiken deutlich. Laut PwC’s Global Compliance Survey 2025 sehen 85 % der Unternehmen Compliance-Anforderungen als zunehmend komplex. Jährlich werden in der EU zudem rund 1.500 neue Rechtsakte erlassen. Unternehmen müssen diese Entwicklungen proaktiv monitoren und in interne Prozesse integrieren.  

ESG-Vorgaben sind längst kein reines Marketingthema mehr. Unzutreffende oder unvollständige Angaben können erhebliche rechtliche, finanzielle und reputative Konsequenzen nach sich ziehen: 

  • Greenwashing-Vorwürfen 
  • Kapitalmarkthaftung 
  • Bußgeldern 
  • Reputationsschäden 

Legal muss hier Risikotransparenz sicherstellen und belastbare Prozesse implementieren. 

Haftungsrisiken (Management & Board) 

Die Haftung von Vorstand und Aufsichtsgremien steigt. Fehlende Risikoüberwachung kann als Pflichtverletzung gewertet werden. ERM schützt, indem es Risiken systematisch erfasst, bewertet und nachvollziehbar dokumentiet. 

Internationale Compliance 

Globale Unternehmen stehen vor unterschiedlichen Rechtsordnungen, von Datenschutz bis Sanktionen. Legal stellt sicher, dass Compliance-Standards weltweit eingehalten und Risiken frühzeitig gesteuert werden. 

Dokumentations- und Nachweispflichten 

Regulatoren verlangen nachvollziehbare Risikoanalysen. Fehlt die Dokumentation, gilt die Maßnahme faktisch als nicht durchgeführt. Legal sorgt dafür, dass alle Risiken revisionssicher erfasst und nachweisbar gesteuert werden. 

Transparenzanforderungen des Boards 

Aufsichtsgremien verlangen datenbasierte Risiko-Reports. Legal muss juristische Risiken quantifizierbar machen. 

2025 sehen sich Unternehmen einer komplexen Risikolandschaft gegenüber, die nicht nur operative, sondern vor allem juristische Herausforderungen mit sich bringt. Für Legal bedeutet das: Risiken müssen nicht nur erkannt, sondern auch rechtlich bewertet, dokumentiert und steuerbar gemacht werden. 

Cybervorfälle (Cyber Incidents) 

Cyberangriffe betreffen Datenschutz, Meldepflichten und Haftung gegenüber Kunden. Rechtsabteilungen müssen sicherstellen, dass Incident-Response-Pläne rechtskonform sind und mögliche Haftungsrisiken minimiert werden. 

KI-Risiken 

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bringt neue rechtliche Fragestellungen: Haftung für Entscheidungen, Diskriminierungsrisiken und Transparenzpflichten. Legal muss Governance-Strukturen und Richtlinien implementieren, um Risiken frühzeitig abzusichern. 

Business Interruption und geopolitische Risiken 

Lieferkettenstörungen, Sanktionen oder politische Krisen können Verträge, Exportkontrollen und Versicherungen betreffen. Legal steuert diese Risiken durch präventive Vertragsgestaltung und Einhaltung regulatorischer Vorgaben. 

Was ist Integrated Risk Management 

Integrated Risk Management (IRM) ist die Weiterentwicklung des klassischen Enterprise Risk Managements. Es verbindet Risiko-, Compliance- und Audit-Systeme in einer zentralen Plattform, sodass Risiken unternehmensweit einheitlich erfasst, bewertet, gesteuert und überwacht werden können. IRM ermöglicht nicht nur ein effizienteres Reporting, sondern auch eine bessere Nachweisführung und eine konsistente Entscheidungsgrundlage für Vorstand, Aufsichtsrat und Management. 

Warum Silos nicht mehr funktionieren 

Getrennte Systeme und isolierte Risikomanagement-Prozesse führen häufig zu Informationsverlust, inkonsistenter Dokumentation und verspäteter Eskalation kritischer Risiken. Für Legal ist dies besonders problematisch, da Haftungsfragen, regulatorische Pflichten und Board-Transparenz nur zuverlässig abgebildet werden können, wenn alle Risikoquellen integriert betrachtet werden. IRM schafft diese durchgängige Sicht, ermöglicht ein koordiniertes Handeln über Abteilungsgrenzen hinweg und sorgt dafür, dass Risiken rechtssicher gesteuert und dokumentiert werden. 

Wie Cloud-Technologie und KI das Risikomanagement verändern 

Cloud-Technologie und Künstliche Intelligenz (KI) revolutionieren das Risikomanagement, indem sie Prozesse effizienter, datengetriebener und transparenter gestalten. Cloud-basierte Plattformen ermöglichen eine zentrale Erfassung, Analyse und Visualisierung von Risiken über Unternehmensbereiche hinweg, wodurch Silos abgebaut und Echtzeit-Reporting möglich wird. 

KI unterstützt bei der automatisierten Risikoerkennung, etwa durch Musteranalyse in großen Datenmengen, Frühwarnsysteme für regulatorische Änderungen oder Vorhersagen zu Cyber- und Geschäftsunterbrechungsrisiken.  

Moderne KI-Tools wie der Risk Detector von DiliTrust automatisieren die Analyse rechtlicher Dokumente: Sie identifizieren automatisch riskante Klauseln, wenden interne ComplianceRegeln an und schlagen konforme Alternativen vor, in Minuten statt Stunden. Diese Technologien verbessern nicht nur Effizienz und Reaktionsgeschwindigkeit im Vertrags- und Risikomanagement, sondern stärken auch die rechtliche Absicherung und Nachweisfähigkeit von Entscheidungen. Tools wie der Regeln an und schlagen konforme Alternativen vor – in Minuten statt Stunden. Diese Technologien verbessern nicht nur Effizienz und Reaktionsgeschwindigkeit im Vertrags- und Risikomanagement, sondern stärken auch die rechtliche Absicherung und Nachweisfähigkeit von Entscheidungen. 

Die Zukunft des Enterprise Risk Managements: von Compliance zur strategischen Steuerung 

Enterprise Risk Management entwickelt sich zunehmend von einer reinen Compliance-Funktion zu einem strategischen Steuerungsinstrument. ERM wird nicht mehr nur zur Risikokontrolle genutzt, sondern liefert wertvolle Entscheidungsgrundlagen für Vorstand und Management, etwa bei Investitionen, Wachstumsstrategien oder internationalen Expansionen. Für Legal bedeutet dies, dass die Abteilung vom reaktiven Berater zum proaktiven Risikoarchitekten wird. Sie bewertet nicht nur juristische Risiken, sondern integriert diese in strategische Entscheidungen, stellt sicher, dass Governance- und Compliance-Anforderungen erfüllt sind, und dokumentiert alle Maßnahmen revisionssicher. 

Zukünftig wird ERM damit zur Schnittstelle zwischen Strategie, Recht und operativem Geschäft: Unternehmen, die Risiken ganzheitlich steuern, erhöhen ihre Resilienz, schützen ihre Organe vor Haftung und schaffen die Grundlage für nachhaltiges, rechtssicheres Wachstum. 

Meet Legal AI – Lini

Lini ist die KI, die Sie in allen Bereichen juristischer Arbeit unterstützt. Sie wurde darauf trainiert, wie ein Rechtsexperte zu denken und versteht die Nuancen von Governance, Compliance und Risikomanagement und argumentiert mit Kontext, nicht mit Annahmen.